Kinderschlittenfahrt
Aber schön war’s trotzdem!

Die Kinderschlittenfahrt von Fideris gehört der Vergangenheit an. Alle hatten ihre helle Freude an diesem traditionellen Anlass. Sagen im Nachhinein alle. Im Vorfeld jedoch waren einige gefordert. Einige, das sind die Manager der Familien, die Mütter. Übli-cherweise schmeissen sie den Laden, sind für fast alles verantwortlich. So auch im Falle der Kinderschlittenfahrt.
Hatte man im Oktober nach Bekanntgabe des Termins für die Kinderschlittenfahrt das Gefühl, über genügend Zeit zu verfügen, irrte man gewaltig. Denn schon einige Wochen später, als man bemerkte, dass die Meisten bereits eine «Rennbännä» organisiert hatten, geriet man in arge Probleme. «Keine Ahnung woher ich die für meine Tochter hatte» bis «Schon vergeben!» lauteten die Antworten nach diversen getätigten Telefonaten. Beim fünften erst die erlösende Antwort: «Doch ich glaube auf dem Estrich ist noch eine.» So konnte man sich getrost der Adventszeit mit den vielfältigen Aufgaben widmen und den Festivitäten um Neujahr.
Der Schock kam eineinhalb Wochen vor dem angesagten Termin. Die nun abgeholte «Rennbännä» verfügte weder über Latten noch über ein Geröll. «Dr Ehni» konnte etwas Zeit erübrigen und besorgte zusammen mit seinem Enkel zwei gehörige Haselste-cken. Ein Geröll wurde schlussendlich in Küblis gefunden. Eine blaue Kutte grub man aus dem Mottenschrank und rote «Zimmer-mannsnedli» waren auch vorhanden. Aber die schwarze Zipfelmütze? Auch hier konnte der Grossvater aushelfen. Und die Tracht für die Tochter, die alte war zu klein. Also eine organisieren, eine halbe Woche vor dem Termin. Fündig wurde man in Davos.
Und jetzt noch schnell die Blumen. Oh Schock und Graus, man spricht von Hundert! Das muss auch einfacher gehen. Geht es auch, wenn nur das Kreppapier nicht immer ausverkauft wäre. Das Blumenrezept bei einer kundigen Frau eingeholt, verspricht vollen Erfolg. Vollen Erfolg schon, denn 33 Rosen genügten. Dass jedoch beim «fältlä» und gleichzeitigen aufrollen von 2.5 Meter langen Papierstreifen die Muskeln der Hände ziemlich strapaziert werden, hatte man nicht bedacht. Und darob fast vergessen, dass noch ein Kranz auf die Bännä sollte, Verpflegung herbeigeschafft, dem Sohn genügend Geld für die Bezahlung in den Sack gesteckt werden muss, die Tochter noch ein Geschenk besorgen sollte. Und und und….
Buaah…, Vergangenheit, aus und vorbei! Aber schööön war’s!

Marietta Kobald

Erschienen im PH im Februar 2006