Im Coiffeursalon aufgeschnappt
Dass ein Coiffeurbesuch vielmals mit den neuesten Witzen verbunden sein kann, wusste ich bereits von meiner Mutter. Immer wenn sie zu einem Blitzbesuch vorbeischaute und sagte, «weischt där scho», kam die Erkenntnis, bevor ich ihre neue Frisur bewunderte, «aha, sie war mal wieder beim Coiffeur». Nun, kürzlich wars auch bei mir soweit. Ich stand vor der Tür meines bevorzug-ten Salons, wollte gerade anklopfen, da ertönte Gelächter. Kurzes Verstummen als ich eintrat, aber gleich gings weiter. «Jogg Bonär hed gseid; im Herbscht wenn d Sunnä geid chunnd au grad där Schattä». Herrlich, meinte die Coiffeuse lachend während sie ihrem Kunden, dem Erzählenden, weiterhin mit Kamm und Schere zu Haare rückte und ihrerseits zu Erzählen anfing: «Äs hed einä gseid, wo d Frau schwangär gsin ischt und Zwilling übärchon hed; dass mee as eis gid hanni schon gwüsst, abär dass grad zwei gäbi hätti nid gsinnät»! Heftiges Gelächter beiderseits, während meinerseits Bedenken hochkam, ob mein Vorhaben, eine neue Frisur zu bekommen, in die Tat umgesetzt werden könne. Berechtigt, denn schon folgte der Nächste. «Weischt au, wiä mä nüün Chüä in äs Hochhuus ufbringt: Mid ärä Töppärparti!» Heftige Lachsalven der Beiden folgten, aber bei mir kam langsam Ungeduld auf, darum stellte ich fest: «Wenn es so weiter geht, werde ich meine Haare wohl nicht los.» Prompt kam die Antwort des Kunden: «Und i han vorzuä kein Haar mee ufäm Grind»

Marietta Kobald

Erschienen im P&H im August 2004